Slawische Burganlagen auf der Insel Usedom (5)


Benz, Mellenthin, Neppermin, Usedom, Stolpe


Benz

In einer Wiesenniederung bei Benz auf der Insel Usedom liegt ein flaches, langgestrecktes Plateau, das von fast allen Seiten mit Gräben umgeben ist. Es hat eine Ausdehnung von etwa 100 m x 50 m und ist noch einen Meter hoch erhalten geblieben. Unter einigen Bodendenkmalpflegern wird dieses Areal als slawischer Burgwall gedeutet. Professionelle archäologische Untersuchungen fanden hier noch nicht statt (Stand 2013), daher muss vorerst offen bleiben, was dieser Platz verbirgt.

Lage                

zurück


Mellenthin

Etwa einen Kilometer nördlich von Mellenthin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) befinden sich die gut erhaltenen Reste einer frühslawischen Höhenburg. Die Burg wird heute auch als "Schwedenschanze" bezeichnet und befindet sich im sogenannten "Borgwald". Der auf einer hohen natürlichen Sanddüne errichtete Burgwall hat einen spitzovalen Umriß und dehnt sich über eine Fläche von etwa 5 ha aus. Die Wallhöhen schwanken zwischen 2 m bis 5 m. Archäologische Funde, wie vor allem Keramik vom Typ Feldberg und Fresendorf, datieren die Burg in das 8. bis frühe 10. Jahrhundert. Die Burg wurde vermutlich von den slawischen Wilzen errichtet und diente unter anderem als Rückzugsort für Mensch und Vieh.

Lage                

zurück


Neppermin

Etwa 800 m nördlich von Neppermin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) befinden sich die Überreste eines kleinen slawischen Burgwalls in Halbinsellage. Im Volksmund ist dieser Platz auch als "Schwedenschanze" bekannt. Der Wall hatte ursprünglich einen kreisrunden Durchmesser von 40 m bis 50 m und entspricht damit dem "Typ Tornow", der überwiegend in der mittelslawischen Epoche des 9./10. Jahrhundert existierte. Im Vorfeld solcher Burgen lagen fast immer leicht befestigte Vorburgareale, in denen die Handwerker ihre Werkstätten hatten. Die bis zu 4 m hohen Wallreste sind heute mit wenigen Bäumen bestanden. Interessanterweise war die Burg bis in das 12. Jahrhundert besiedelt. Auf einer Anhöhe oberhalb der Befestigung wurde ein spätslawisches Körpergräberfeld mit reichen Schwertbeigaben entdeckt. Möglicherweise wurden die ehemaligen Burgherren hier bestattet.

Lage                   

zurück


Usedom

"Bauhof"

Nordöstlich der Altstadt von Usedom liegen die Wallreste einer großen slawischen Burganlage des 11./12. Jahrhunderts. Das alte Burgareal führt heute den Flurnamen "Bauhof". Mit etwa 380 m Durchmesser stellte diese slawische Niederungsburg die bedeutendste Burgstadt der spätslawischen Epoche im heutigen Vorpommern dar. Die Ursprünge dieser befestigten Siedlung vermutet man in der späten mittel- bis frühen spätslawischen Zeit (etwa um/nach 1000). Die Slawen errichteten die Anlage auf einer natürlichen Landzunge, die im Osten und Westen durch heute stark verlandete Seen geschützt war. Besondere historische Bedeutung hat dieser Ort durch die Missionsreisen des Bischofs Otto von Bamberg in den Jahren 1124 und 1128. Er bekehrte zu jener Zeit die slawischen Burgfürsten zum Christentum. Begrenzte archäologische Ausgrabungen kamen zu dem Ergebnis, dass diese Burgstadt in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine große politische, militärische und kultische Bedeutung gehabt haben muss. Durch einen nahen Naturhafen, der über die Peene und das Stettiner Haff mit der Ostsee verbunden war, entwickelte sich der Ort im Laufe der Zeit zu einem überregionalen Herrschafts- und Wirtschaftszentrum. Im Burgwall konnte man Teerproduktion, Geweih- und Knochenbearbeitung, Kammacherei, Buntmetallverarbeitung, sowie die Eisen- und Glasbearbeitung nachweisen. Aus Bernstein stellte man zudem Perlen, Wirtel und Anhänger her. Im Umfeld des Burgwalls bestanden mehrere offene Siedlungen, z.B. am "Mühlenberg", am "Priesterkamp", in der "Amtswiek" und am "Paschs Acker". Vor Ort wurde auch eine eigene Variante der Keramik vom "Teterower Typ" gefertigt. Der Fernhandel ließ sich anhand von importierten Schnallen, Schreibgriffeln, Fibeln, Schieferwetzsteinen, Warzenklappern usw. nachweisen. Funde von Waageteilen und Wägstücken bezeugen die Anwesenheit von Händlern. Um das Jahr 1200 wurde im Südteil der slawischen Burg eine neue kleine Burg integriert. Sie wurde vermutlich von pommerschen Herzögen angelegt. Heute trägt diese Burg den Flurnamen "Schlossberg". Diese Burg diente bis in das 17. Jahrhundert durchgehend als Sitz der jeweiligen pommerschen Herzöge. Das Gelände der alten slawischen Burg diente vermutlich als Vorburgareal des "Schlossberges". Im 19. Jahrhundert wurde auf dem Plateau des "Schlossberges" ein Denkmal in Form eines Kreuzes errichtet. Es ist noch heute vorhanden und soll an die Christianisierung der slawischen Burgfürsten erinnern.

Lage      

zurück


Stolpe

Etwa fünf Kilometer östlich der Stadt Usedom befand sich eine spätslawische Burganlage auf der heutigen Gemarkung von Stolpe. Durch Ackerbewirtschaftung ist die Befestigung leider komplett abgetragen worden. In früheren Luftbildern von Google Earth war deutlich zu erkennen, dass es sich um eine zweigliedrige Burg handelte. Eine ovale, fast viereckige Hauptburg wurde südlich von einer befestigten Vorburg bogenartig umgeben. Die Nord-Süd Ausdehnung des gesamten Burgkomplexes betrug demnach gute 120 m samt Grabenanlagen. Heute wird die alte Burgstelle auch als "Schloss-Wall-Platz Usedom" bezeichnet. Über den Burgwallplatz führen heute die Mäste einer modernen Stromkabeltrasse.

Lage      

zurück