Slawische Burganlagen in der Landeshauptstadt Schwerin (2)


Lankower See

In einem Kalender von 1996, genannt “Slawenburg und Hünengrab. Archäologische Luftbilder aus Mecklenburg-Vorpommern”  ist auf dem März-Blatt die slawische Niederungsburg auf einer Halbinsel im Lankower See dargestellt.
Auf einem Schweriner Stadtplan von 1956 befindet sich die Darstellung dieser Anlage. Sie liegt auf einer durch einen Graben abgetrennten Halbinsel am Nordufer des Lankower Sees. Dabei kann es sich nur um die Burg aus dem Kalender handeln. Statt eines Grabens ist auf der Luftaufnahme allerdings nur eine Hecke bzw. Baumreihe zu sehen. Möglicherweise wurde der Burggraben nach 1956 zugeschüttet. Die Anlage wurde sicher um das 10. bis 12. Jahrhundert bewohnt und zur Zeit der deutschen Ostkolonisation zerstört. Genauere Überlieferungen zur Burg gibt es nicht, dennoch wird sie zum Slawenstamm der Obotriten gehört haben.

Lage

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Schlossinsel

Im 8. Jahrhundert siedelten sich Slawen im Gebiet des heutigen Schwerins an und errichteten hier spätestens im 9. Jahrhundert eine befestigte Siedlung auf dem Stadthügel. Im 10. Jahrhundert (Winter 941/942) befestigten sie die heutige Schlossinsel mit einem ersten Burgwall, der mit der Siedlung am Festland durch eine Brücke verbunden war. Die Bewohner nannten diese Siedlung "Zverini", was soviel wie "Wildtierort" bedeutet. Ein spanisch-maurischer Jude, der als Handelsreisender in der Gegend weilte, berichtete 965 von einer Burg in einem Süßwassersee, welche von Historikern Schwerin zugerechnet wird. Einige Wissenschaftler vertreten aber auch die Auffassung, dass die erwähnte Burg eher der Burgwall im heutigen Dorf Mecklenburg war. Der Handelsreisende berichtete nämlich in seiner Überlieferung, dass die Burg 11 Meilen von der Ostsee entfernt lag. Diese Entfernung passt eher zum Burgwall von Dorf Mecklenburg. 1018 verschanzte sich der Obodritenfürst Mistizlaw auf der Flucht vor Feinden in der Inselburg Schwerin. Im 11. und 12. Jahrhundert war die Inselburg eine der Hauptburgen der jeweiligen Obodritenfürsten. 1160 wurde die Befestigung absichtlich von den Slawen in Brand gesetzt, als der deutsche Sachsenherzog Heinrich der Löwe einen Feldzug gegen die Obodriten unternahm. Er besetzte die zerstörte Burg, ließ sie wieder aufrichten und verlegte das Bistum Mecklenburg hierher. Als Stadthalter setzte er Gunzelin von Hagen auf der Burg ein. Im Laufe der Zeit wurde der Ort zur wichtigsten Burg Heinrich des Löwen im unruhigen Obodritenland. Nachdem der letzte aufständische Obodritenfürst Pribislaw 1164 endgültig unterworfen wurde, kehrte Frieden ein. 1256 wurde die letzte Befestigung auf der Insel abgerissen. Heute befindet sich die ehemalige Burganlage unter dem Schweriner Schloss und ist nicht mehr erkennbar. Im Jahr 2014 wurden im Schlosshof Kanalarbeiten durchgeführt. Dabei stieß man auf die  Reste der letzten Inselburg aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Etwa einen Meter unter der Oberfläche konnten die Archäologen Reste eines Flechtfußbodens und eine Feuerstelle freilegen. Der mit Staken und Pflöcken befestigte Flechtfußboden gehörte wahrscheinlich zu einem Haus, das als Stall genutzt wurde. Im Umfeld fand man "Mist", der diese Schlußfolgerung zulässt. Weiter barg man verzierte Tonscherben, Küchenabfälle, Tierknochen von Wild- und Haustieren und Holzwerkzeuge.

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