Slawische Burganlagen in Niedersachsen (10)


Brünkendorf, Clenze, Dannenberg, Gartow, Hitzacker, Hollenstedt, Lüchow, Meetschow, Oerenburg


Brünkendorf/Höhbeck

Die Entstehung der sogenannten "Schwedenschanze" auf dem bewaldeten Höhbeck bei Brünkendorf wurde durch Grabungen in das frühe 8. Jahrhundert (Errichtung um 730) datiert. Durch das sehr spärliche Fundmaterial ist bis heute ungeklärt, ob es sich im Ursprung um eine sächsische oder frühslawische Höhenburg handelte. Die Ausgräber vermuten heute, dass die Höhenburg von den Sachsen angelegt wurde. Im 9./10. Jahrhundert haben auch die Slawen das verlassene Areal der Höhenburg genutzt. Ein Ausbau der Höhenburg in jener Zeit ist aber nicht erkennbar. Vermutlich nutzten sie den Ort nur als Siedlung. Die ehemalige Burganlage bestand aus einem halbkreisförmigen Wall, der nach Südwesten ausgerichtet war. Im Norden und Osten war der Platz durch die Elbe und eines ihrer Seitentäler geschützt. Im Süden ist der Wall noch bis zu einer Höhe von 3,5 m erhalten. Im Westen war ein etwa 2 m tiefer Spitzgraben vorgelagert. Der Zugang zur Burg lag daher vermutlich an dieser Seite. Heute befindet sich inmitten des Walles eine Gaststätte (Kaffeegarten Schwedenschanze).

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Clenze

Aufgrund von Grabungsbefunden konnte man feststellen, dass sich auf dem heutigen Kirchberg bereits im 8. Jahrhundert eine slawische Burganlage befand. Der Berg hat heute eine Höhe von 5 m und einen Durchmesser von ca. 50 m. Ähnlich dürften auch die Ausmaßen der Wehranlage gewesen sein. Im ehemaligen Burginneren konnten drei Siedlungsschichten unterschieden werden, deren jüngste mit der festgestellten Zerstörung der Burg im 10. Jahrhundert endete. Schriftliche Hinweise zu der Burganlage gibt es leider keine.

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Dannenberg/Elbe

Die Anfänge der Stadt Dannenberg reichen bis in die slawische Zeit zurück. Hier wurde im 9. Jahrhundert auf zwei Sandinseln in einer Flussschleife der Jeetzel eine Burg samt Vorburg angelegt. Beide Inseln sind mit 100 bzw. 50 m Durchmesser doch recht klein. Doch der verkehrsgünstige Übergang über die Jeetzelniederung führte offenbar im Laufe der Zeit zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und zur Ausbildung einer regelrechten Stadt. Ausgrabungen in der Vorburg im Bereich des heutigen Busbahnhofs zeigten, dass der Platz ab dem späten 8. Jahrhundert ohne Unterbrechung besiedelt war. Die ältesten Keramikfunde lassen sich aufgrund ihrer Form und Verzierung als slawisch bestimmen. Im Bereich der eigentlichen Burg konnte bislang nur eine kleine Ausgrabung stattfinden. Ihr Aussehen ist daher unbekannt. Wahrscheinlich wurde hier, ähnlich wie in Hitzacker, Lüchow oder Meetschow, ein slawischer Ringwall angelegt. Die Qualität der Funde der Vorburg spricht dafür, dass hier ab dem 11. Jahrhundert ein bedeutender slawischer Adelssitz bestand. Später wurde die Anlage von deutschen Adligen übernommen und weiter ausgebaut. Berühmtheit erlangte der Ort durch die Gefangennahme des Dänenkönigs Waldemar II. Er wurde 1223 in der nun deutschen Burg festgehalten.

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Gartow/Elbholz

Beispiel einer slawischen Burg vom Typ Tornow nach Felix Biermann/Ronny Krüger

Eine typische kleine mittelslawische Wallanlage befindet sich im Elbholz bei Gartow in der Nähe der Elbe. Sie hat einen kreisrunden Durchmesser von etwa 50 m auf der Wallkrone. Der Wall war in der für die Slawen typischen Holz-Erde-Konstruktion erbaut und bestand aus zwei oder drei hintereinander gesetzten Holzkästen, die mit Lehm und Sand aus dem Burggraben verfüllt wurden. Der einphasige Burgwall dürfte zum Ende hin eine Höhe von 4 bis 5 m erreicht haben. Die Wohnhütten der Burgbesatzung lagen direkt ringartig am Innenwall. Die ursprüngliche Breite des Walles betrug 6 bis 8 m. Am Außenwall schützte eine Berme das Wallsystem vor feindlichen Brandanschlägen. Der umgebene Burggraben war etwa 10 bis 12 m breit. Die Burg wurde am Ende des 9. Jahrhunderts erbaut und schon in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts nach einer großen Brandkatastrophe aufgegeben. Ausgrabungen fanden von 2005 bis 2006 statt. Dabei wurde vor allem Keramik der Feldberger- und Menkendorfer Ware angetroffen. Weiter barg man Tierknochen und einen spätkarolingischen Stachelsporn, der die Anwesenheit des hohen Adels anzeigt. Die Kulturschicht im Burgraum war nur schwach ausgeprägt, was für eine kurze Nutzung der Burg spricht. Eine Vorburgsiedlung, wie sie typisch für solche Kleinburgen war, konnte man bisher nicht sicher nachweisen. Die Burg ging wohl im Zuge der Schlacht bei Lenzen im September 929 unter, bei der die Slawen von einem großen deutschen Heer vernichtend geschlagen wurden. Kurz nach Aufgabe der Burg kam es zu einem Elbehochwasser, bei dem der Burggraben komplett mit Sand verfüllt wurde. Heute ist das Bodendenkmal noch bis zu 2,5 m hoch erhalten geblieben.

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Hitzacker

Auf dem "Weinberg" konnte man bei archäologischen Untersuchungen fünf ältere slawische und drei jüngere deutsche Schichten nachweisen. Der Berg bot den Menschen einen guten Schutz, sowie einen weiten Ausblick in die Umgebung. Die Burg war offenbar über mehrere Jahrhunderte ohne Unterbrechung bewohnt. Die erste einfache Befestigung wurde im 7. Jahrhundet angelegt, und im 8. Jahhundet massiv verstärkt. Im 11. Jahhundert befanden sich direkt hinter dem Wall Wohnbauten der Burgbesatzung. Es konnten aber auch einzelne Blockhäuser innerhalb der Burg nachgewiesen werden. Dies zeigt, dass wahrscheinlich auch Handwerker in der Befestigung ansässig waren. Die Gefäße aus den ersten Jahren der Burg waren eher schlicht und unverziert und entsprechen dem Sukower Typ. In den jüngeren Kulturschichten kamen dann immer mehr deutsche Keramikscherben zu Tage. Die Burg muss schon immer sehr bedeutend gewesen sein, denn selbst Heinrich der Löwe beanspruchte die Burg im 12. Jahrhundert für sich. Nach dessen Sturz ging sie an die Herzöge von Sachsen-Laubenburg über. Später war sie als Raubritternest berüchtigt und wanderte als Pfand von Hand zu Hand. Im 16. Jahrhundert wurde sie schließlich ganz aufgegeben. Stattdessen baute man an den Hängen nun Wein für die fürstliche Tafel an. Daher auch der Name "Weinberg".

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Hollenstedt (Vermutung)

Am Westufer der Este südlich von Hollenstedt findet man die Reste bzw. Grundzüge einer alten Ringwallanlage. Die Funde, die an dieser Stelle gemacht worden sind, weisen auf einen slawischen Ursprung im frühen 9. Jahrhundert hin. Im Innern der Burg standen damals rechteckige oder auch quadratische Holzhäuser mit Flechtwerkwänden. Auf dem Wall befand sich teilweise ein hölzerner Wehrgang. Dieser slawische Burgwall ist - wie Funde beweisen - durch eine Brandkatastrophe vernichtet worden. Nicht nur eine gefunde Pfeilspitze sondern auch ein menschlicher Oberschenkelknochen aus der damaligen Zeit unterstreichen die Theorie, dass der Wall im Rahmen eines Kampfes spätestens im Jahr 817 geschleift worden ist. Im 10. Jahrhundert n. Chr. wird die zerstörte Burganlage von den Stader Grafen erneut befestigt und genutzt. Dieses belegen nicht nur Funde im Innern sondern auch die Ausschachtung des Grabens und die Erhöhung des Walls.

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Lüchow

Bei archäologischen Untersuchungen an der Basis des Walles fand man die Überreste einer slawischen Befestigung. Sie wurde wahrscheinlich im 8./9. Jahrhundert angelegt. Für die Zeit von 1000 bis 1140 konnte man sechs Bauphasen unterscheiden. Holzkohleschichten zeigen, dass zwei Wallanlagen verbrannt sind. Doch die Burg wurde immer wieder ausgebaut und neu befestigt. Die Abwehrbereitschaft der slawischen Burgherren war offenbar groß. 1144 ist Lüchow als Sitz des deutschen Grafen Hermann erstmals schriftlich genannt. Wie der Übergang vom slawischen Adels- zum deutschen Grafensitz erfolgte, ist ungewiss.

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Meetschow

1. Burgwall Meetschow I

Der Burgwall von Meetschow I (Alte Burg) lag auf der Spitze einer kleinen Halbinsel am Ufer des Laascher Sees und überragt als markantes Geländedenkmal sein Umland um etwa 4 m. Wissenschaftliche Untersuchungen von 2005 bis 2007 erbrachten folgende Erkenntnisse. Im 8. Jahrhundert bestand hier nur eine durch einen Abschnittswall geschütze sächsische Siedlung, die wahrscheinlich mit dem urkundlich erwähnten "Schezla" identisch ist. Um das Jahr 800 wurde der Burgwall errichtet. Etwa zeitgleich entstand auf dem nahen Höhbeck an der Elbe ein fränkisches Kastell (Vietzer Schanze). Das Wallsystem dieser beiden Burgen war in gleicher Art und Weise errichtet worden und kann nicht den Slawen zugeordnet werden. Der Burgwall Meetschow I ist im Ursprung also keine slawische Burganlage. Um 929 wurde der Meetschower Wall erneuert und kurz darauf zerstört. Im September 929 kam es zu der Schlacht bei Lenzen an der Elbe, bei der ein großes deutsches Heer die Slawen unterwerfen konnte. Um 940/950 wurde die Burg erneuert aber kurz darauf durch eine Hochwasserkatastrophe unbewohnbar. Erst um das Jahr 1014 erfolgte ein erneuter Ausbau der brach liegenden Meetschower Burg. Diese erneute Besiedlung war aber nur von kurzer Dauer. Erst im 13. Jahrhundert suchten die deutschen Einwanderer den Platz erneut auf und errichteten auf dem Areal der Meetschwer Burg I einen Turmhügel (Motte) mit einem Doppelgraben. Im 14. Jahrhundert vernässte das Gelände aber derart, dass auch diese Burg aufgegeben wurde.

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2. Burgwall Meetschow II

Durch Zufall wurde bei der Untersuchung des Vorburggeländes der Meetschower Burg I (2007) eine zweite Wallanlage entdeckt, die allerdings nicht erhalten geblieben war. Sie war dennoch eindeutig auf einem Magnetplan zu erkennen. Es handelte sich um einen Rundwall von 45 m Innendurchmesser, dessen Wall 7,5 m breit war. Durch mittelslawische Keramiken kann diese Burg eindeutig den Slawen zugeordnet werden. Der Wall wurde im Laufe der Zeit etwa zur Hälfte durch den Laascher See abgetragen. Da das Areal der Meetschower Burg II etwa 1,6 m höher lag als das Areal der älteren Meetschower Burg I blieben keinerlei Hölzer zur Altersbestimmung erhalten. Man konnte aber feststellen, dass die Slawen das Areal vor dem Bau der kleinen Burg um etwa 60 cm künstlich aufhöhten. Diese Maßnahme diente sicher dem Hochwasserschutz. Die Ausgräber gehen heute davon aus, dass diese typische mittelslawische Kleinburg vom "Typ Tornow" in der Zeit von 950 bis um/nach 1000 bestand, als das Areal der älteren Meetschower Burg I brach lag. Die genauen Siedlungsabläufe der beiden Meetschower Burgen sind bis heute aber noch nicht ganz zweifelsfrei rekonstruierbar.

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Oerenburg

Im Gebiet des ehem. Forsthauses Oerenburg – etwa 600 m südwestlich von Klein Breese und ca. 500 m nordöstlich des gleichnamigen Wohnplatzes – liegen die Überreste eines slawischen Burgwalls. Das Gelände unweit des nördl. Ufers des Luciekanals erreicht eine maximale Höhe von 18,5 m ü. NN. Damit überragt diese schwache Erhebung die umgebenden Feuchtgebiete um 1,5 bis 2,0 m. Zur Überquerung der sumpfigen Niederung wurde ein Damm aufgeschüttet. Vor Ort wurden in der Slawenzeit Tier- und wahrscheinlich auch Menschenopfer beim Bau der Burg den Göttern gewidmet.

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