Bedeutende Schlachten bei den Slawen (Auswahl)


Burgtor einer frühslawischen Burg des 8./9. Jahrunderts, nach Ronny Krüger 2016


Der Wilzenfeldzug (789)Schlacht bei Bornhöved (798)Schlacht bei Lenzen (929)Schlacht an der Raxa (955)Slawenaufstand (983)Tollenserkrieg (1056/57)Slawenaufstand (1066)Wendenkreuzzug (1147)Schlacht bei Verchen am Kummerower See (1164)Dänischer Rügenfeldzug (1168)


Der Wilzenfeldzug (789)

Nachdem der Frankenkönig Karl der Große die aufständischen Sachsen nach einem Feldzug im Jahr 780 für entgültig unterworfen hielt, wollte er die dortige Bevölkerung christianisieren lassen und seine neue Reichsgrenze sichern. Er stand nun aber vor neuen Problemen, denn die benachbarten slawischen Stämme der Wilzen drangen immer wieder zu Raubzügen in das Sachsenland ein. Karl musste nun reagieren, um das neu gewonnene Land nicht gleich wieder an die Heiden zu verlieren. Er zog daraufhin mit einem starken Heer erstmals persönlich bis an die Elbe. Nördlich von Magdeburg ließ er an dem Fluss Ohre ein provisorisches Lager aufbauen und begann von hier aus Verhandlungen mit den Wilzen. Die Wilzen müssen zu jener Zeit sehr stark gewesen sein, denn sie waren nicht nur eine Gefahr für das östliche Frankenreich, sondern auch für die slawischen Obodriten, die in Westmecklenburg siedelten. Die Wilzen und Obodriten hatten seit jeher eine Fehde und es kam immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Obodriten sahen sich von den Wilzen in die Enge getrieben und suchten Schutz und Hilfe beim Frankenkönig. Karl nahm die Obodriten als seine Verbündeten auf, denn die Spaltung der Slawen östlich der Elbe kam ihm sogar entgegen. Karl befahl den Wilzen, die Obodriten und Sachsen in Ruhe zu lassen, da sie unter seinem Schutz stünden. Angesichts der großen Heeresmacht die Karl an der Elbe versammelte, versprachen die Wilzen keine Angriffe mehr auf ihre Nachbarn zu unternehmen. Nachdem Karl die politischen Verhältnisse an der Elbe geordnet hatte, kehrte er mit seinen Truppen an den Rhein zurück. Wenige Jahre später kam es zu einem erneuten Aufstand der Sachsen gegen die Franken. Karl der Große musste dort mit seinen Truppen eingreifen. Diesen Umstand nutzten die Wilzen aus, um die Obodriten erneut zu bedrängen. 785 zog der Frankenkönig im Zuge der Sachsenkriege erneut bis an die Elbe, um den verbündeten Obodriten zur Hilfe zu kommen. Er ermahnte abermals die Wilzen endgültig Ruhe zu geben. Es schien ihm zu jener Zeit noch zu gewagt seine Truppen über die Elbe in das Slawenland zu schicken. Er fürchtete die gerade besiegten Sachsen im Rücken und die militärisch starken Wilzenverbände im Osten. Seine Worte fanden bei den aufständischen Wilzen kein Gehör und er musste  unverrichteter Dinge wieder abziehen. Im Jahr 789 löste Karl der Große nun endlich sein Versprechen gegenüber den Obodriten ein, gegen die Wilzen persönlich vorzugehen. Karl entschloss sich nicht zu einem kurzen Rachefeldzug, sondern wollte die Wilzen bei dem Unternehmen vollständig unterwerfen. Im Frühling 789 wurde bei einer Reichsversammlung in Aachen dem Feldzugs gegen die Wilzen zugestimmt. Im Sommer begann schließlich das Unternehmen. Karl zog mit einer großen fränkischen Heeresmacht vom Rhein bis an die Elbe. Dort errichtete man zwei hölzerne Brücken, über die man in das Slawenland eindrang. Eine der Brücken wurde an beiden Ufern mit einer Art Erdwall gegen feindliche Angriffe gesichert. Von der Havel aus unterstützten friesische Kämpfer mit Booten das Frankenheer. Von Süden zogen die Sorben heran, die auf Karls Befehl Hilfe leisten mussten. Im Norden unterstützten die Obodriten unter ihrem Fürsten Witzan den Feldzug. Karl der Große vereinigte alle Truppenverbände und führte sie gezielt zu der Hauptburg des Wilzenkönigs "Dragowit". Auf dem Weg dorhin wurden alle Siedlungen und Burgen erobert und slawische Fürsten gefangengenommen. Vermutlich handelte es sich dabei um die jeweiligen Stammesoberhäupter, die ihre Sitze in den typischen mehrgliedrigen Burgwälle jener Zeit hatten. Dragowit war der Anführer des Wilzenbundes, denen die Stämme der Redarier, Tollenser, Zirzipanen, Kessiner und zeitweise auch die Müritzer, Ukranen und andere Kleinstämme angehörten. Wo nun genau die Hauptburg der Wilzen lag, ist bis heute unbekannt. Vermutlich lag sie bei Demmin (Vorwerk) an der Tollense im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Erstaunlicherweise leisteten die Wilzen dem Frankenkönig so gut wie keinen Widerstand. Die Übermacht der Franken war anscheinend zu groß. Nach längeren Verhandlungen wurden die Tore der Hauptburg geöffnet und der Wilzenkönig bat um Frieden. Dragowit und seine Fürsten mussten daraufhin Geiseln stellen und einen Eid auf Treue und Gehorsam zum Frankenreich ablegen. Anschließend wurde Dragowit wieder als Herrscher der Wilzen eingesetzt und musste dem Frankenkönig jährlich Tribute leisten. Insgesamt standen die Wilzen aber nur in loser Abhängigkeit zum Frankenreich. Karl hat die slawischen Obodriten und Wilzen nie zum Religionswechsel gezwungen. Durch den Feldzug wollte er die Elbe als Grenze zu seinem Reich sichern, was ihm durch die Unterwerfung der Wilzen nun gelungen war. In die innerpolitischen Verhältnisse der unterworfenen Slawen mischte sich der Frankenkönig nur selten ein. Damit war der Feldzug beendet und das Frankenheer zog mit seinen Verbündeten wieder ab. Schon drei Jahre später erhoben sich die Sachsen erneut gegen Karl, als dieser gegen die Awaren Krieg führte. Eine Überlieferung erwähnt auch Slawen, die sich an dem sächsischen Aufstand beteiligten. Ob daran auch wilzische Verbände beteiligt waren ist unbekannt.

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Schlacht bei Bornhöved (798)

Im Jahre 798 kam es bei Bornhöved im heutigen Schleswig-Holstein zu einer Schlacht zwischen Franken, den slawischen Obodriten und den ihnen feindlich gegenüberstehenden Sachsen. Man nennt den Ort der Schlacht Sventanafeld oder Schwentinefeld. Kriegsgründe waren frühere Überfälle der Sachsen auf fränkisches Gebiet. Die Obodriten waren mit den fränkischen Truppen Karls des Großen verbündet. Die nordelbischen Sachsen wurden im Laufe der Schlacht geschlagen. Damit war nun der Widerstand der Sachsen gebrochen und deren Christianisierung wurde vorangetrieben.
Nach der Schlacht auf dem Sventanafeld gelang es 811, die Eider als Einflussgrenze zwischen den Dänen und dem Frankenreich festzulegen. Diese Grenze hatte während der folgenden tausend Jahre fast ununterbrochen Gültigkeit. Im Jahre 818 wurde dann erstmals der sogenannte Limes Saxoniae erwähnt. Es handelte sich dabei um eine unbefestigte Grenzlinie zu den slawischen Obodriten. Er sollte das fränkisch-sächsische Gebiet vor Übergriffen der Obodriten schützen.
Da diese Grenze aber leicht zu überschreiten war, kam es später öfter zu slawischen Übergriffen.

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Schlacht bei Lenzen

In den Jahren 928/29 kam es in den slawischen Gebieten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Truppen des deutschen Königs "Heinrich I."  und der slawischen "Heveller", "Obodriten", "Lutizen" und "Daleminzer". Ziel des deutschen Königs war es, die slawischen Stämme entgültig zu unterwerfen, da sie immer wieder in sein Land einfielen. Im Winter 928/929 begann er seinen Feldzug gegen die slawischen "Heveller" und ihre Hauptburg "Brennaburg (Brandenburg an der Havel)". Als die deutschen Truppen vor der gut geschützten Inselburg überraschend aufmarschierten, wurde die Burg nach kurzer Belagerung ohne größere Widerstände übergeben. Damit begann nun die erste Phase der deutschen Ostexpansion im Slawenland. Danach drang Heinrich weiter in die Gebiete der slawischen "Daleminzer", "Obodriten" und "Lutizen" vor und unterwarf sie. Heinrichs Truppen drangen sogar bis nach Prag vor und unterwarfen dort den böhmischen Herzog "Wenzel I.". Den Slawen wurden nun "Tributzahlungen" und Verträge zur Unterwerfung aufgezwungen. Die slawischen "Redarier", einer der Hauptstämme der "Lutizen", wollten diese Schmach aber nicht hinnehmen und planten einen Gegenangriff im August 929. Sehr wahrscheinlich wurde dieses Unternehmen schon in ihrem Hauptort "Rethra" (vermutlich im Tollensesee - Liepsgebiet in Mecklenburg) geplant. Die "Redarier" überschritten die Elbe und belagerten die deutsche Burg Walsleben (nördlich von Stendal in Sachsen-Anhalt). Als diese eingenommen werden konnte, übten die "Redarier" Rache und töteten alle Belagerten in der Burg. Als sich die Nachricht vom erfolgreichen Aufstand der "Redarier" im Land der slawischen "Obodriten" und Lutizen" herumsprach entschloss man sich, ihnen weitere Unterstützungstruppen zu senden. Als der deutsche König Heinrich davon erfuhr, liess er schnell ein sächsisch-deutsches Heer zusammenstellen und sandte sie in Richtung Elbe. Geführt wurde das deutsche Heer von den Grafen "Berhard" und "Thietmar". Diese führten ihre Truppen nun vor eine slawische Burg namens "Lunkini" an der Elbe im heutigen Brandenburg. Diese Burg wurde bewusst gewählt, weil sie als Eingangstor in die slawischen Gebiete der "Obodriten" und Lutizen (Wilzen)" galt. Diese Burg, die wohl identisch mit dem Burgwall "Lenzen-Neuehaus" ist, wurde fünf Tage lang, vom 1.9.929 bis zum 5.9.929, belagert. Dabei soll sehr schlechtes Wetter geherrscht haben, so die Überlieferung. Auch die Slawen führten ihre Heere in Richtung der Burg Lunkini. Als die Deutschen davon erfuhren, befürchteten sie einen nächtlichen Gegenangriff am letzten Belagerungstag auf ihr Lager und blieben daher die ganze Nacht kampfbereit. Am folgenden Morgen führten sie einen Angriff auf die Slawen durch.
Die deutschen Truppen stürzten sich zuerst frontal auf die slawischen Gegner, ohne viel Erfolg. Die Masse der slawischen Bauernkrieger war wohl sehr hoch. Nun entschlossen sich die deutschen Heerführer dazu, ihre neu aufgestellte Panzerreiterrei einzusetzen und die Flanken der Slawen anzugreifen. Dies war erfolgreicher und die Slawen konnten auseinander getrieben werden. Die Deutschen verfolgten die verwirrten Slawen in alle Richtungen. Viele von ihnen versuchten in der nahen Burg Lenzen Schutz zu suchen. Da diese aber bereits von den Deutschen belagert wurde, war die Rettung aussichtslos. Viele Slawen wurden auch in ein nahes Moor getrieben, wo viele von ihnen versanken. Der Rest wurde durch das Schwert getötet, oder konnte fliehen. Nachdem also das slawische Heer vernichtend geschlagen war, zog man wieder vor die Festung Lenzen und forderte nun die Aufgabe der Burg. Dies versprachen die slawischen Insassen auch, wenn sie ihr Leben behalten dürften. Die deutschen Heerführer versprachen daraufhin freies Geleit, wenn sie ihre Waffen abgeben würden. Weiterhin verlangten die Deutschen Geiseln (Knechte, Frauen und Kinder in der Burg), sowie alle Wertgegenstände aus der Burg. Die Burg Lenzen wird in der Überlieferung als "Königsburg" beschrieben. Es ist also zu vermuten, dass nur dem slawischen Oberhaupt samt seinen Kriegern in der Burg freies Geleit gewährt wurde. Die übrigen slawischen Gefangenen aus der Schlacht ausserhalb der Burg wurden alle am nächsten Tag geköpft. Laut der Überlieferung soll es auf slawischer Seite insgesamt 200.000 Tote gegeben haben. Realistisch sind wohl eher 20.000. Wie groß die Verluste auf deutscher Seite waren, wurde nicht überliefert. Somit war der slawische Aufstand im Jahr 929 gebrochen. Heinrich I. unterwarf in den folgenden Jahren weitere Stämme wie die "Milzener", "Lusitzer" und "Ukranen". Auch sie machte er tributpflichtig. Sogar der Wikingerort "Haithabu" (bei Schleswig in Schleswig-Holstein) musste in einer Schlacht vor Heinrich kapitulieren (934). Der deutsche König hat sein Ziel also fast erreicht, alle slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder zu unterwerfen. Nur die slawischen Stämme der "Ranen" auf Rügen, "Zirzipanen" und "Kessiner" konnten wohl unabhängig bleiben.

Lage der slawischen Burg "Lunkini" heute "Lenzen-Neuehaus" in Brandenburg

Lage

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Schlacht an der Raxa

Am 16. Oktober 955 fand an dem Fluss Recknitz, wahrscheinlich bei der Ortschaft Pantlitz in Mecklenburg-Vorpommern, eine große Schlacht statt. Kriegsparteien waren auf der einen Seite die slawischen Wilzen und Obodriten unter dem Fürsten Stoignev, und auf der anderen Seite die Sachsen und die verbündeten slawischen Ranen unter dem deutschen Herzog Otto I. Gründe für die Schlacht waren alte Feindschaften zwischen den Sachsen und den Obodriten. 955 drangen die Slawen in Sachsen ein und töteten in einer Stadt alle Männer und nahmen die Frauen und Kinder gefangen.
Man kann den Feldzug Ottos gegen die Obodriten und Wilzen also als Rachefeldzug ansehen. Otto zog durch das Obodritenland und ließ alles verheeren und verbrennen.
Doch plötzlich wurde er an der Recknitz von den Slawen umzingelt. In der Schlacht sollen sich auf deutscher Seite 7000 sächsische Reiter und 1000 friesische Infanteristen am westlichen Flussufer befunden haben. Auf slawischer Seite soll es 1000 leichte Reiter und 8000 Fußtruppen am östlichen Flussufer gegeben haben. Aufgrund der schlechten Uferbeschaffenheit konnten die eingekesselten Deutschen den Fluss nicht überqueren. Erst mit der Hilfe der verbündeten slawischen Ranen, die weiter flussabwärts eine geeignete seichte Übergangsstelle fanden, gelang es den Deutschen, dort nach einem Ablenkungsmanöver drei Brücken in der Nacht zu errichten. Man konnte so den Fluss überqueren und die Slawen auf der Ostseite der Recknitz vernichtend schlagen. Der Grund dafür war, dass die Slawen zu den neu errichteten Brücken nur mit Mühe und langem Fußmarsch gelangen konnten, da das Gebiet sehr moor- und wasserreich war.  Die Slawen waren bei der Ankunft daher schon ziemlich erschöpft und daher nur bedingt kampfbereit. Auf deutscher Seite soll es 1100 Tote und 2000 Verwundete gegeben haben. Die Slawen hatten mit 4500 Toten und 2000 Verwundeten deutlich höhere Verluste. Der slawische Anführer Stoignev wurde in einem heiligen Gehölz gefangen genommen und auf Befehl Ottos geköpft. Angeblich hat man den Kopf am nächsten Tag auf dem Schlachtfeld aufgestellt und 700 slawische Gefangene ebenfalls enthauptet. Einem Ratgeber Stoignevs wurden die Augen ausgestochen und die Zunge herausgeschnitten. Die Obodriten und Wilzen mussten sich daraufhin Otto I. unterwerfen und ihm Tribut leisten.

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Slawenaufstand von 983

Nachdem durch Kriegszüge Heinrichs I. und Ottos I. im 10. Jahrhundert die Elb- und Ostseeslawen weitgehend christianisiert waren, gehörte das Gebiet zum Ostfrankenreich.
Seit 968 setzte ausserdem eine rege Missionstätigkeit vom Bistum Magdeburg ein. Die Slawen, vor allem die Lutizen, müssen schon länger geplant haben, einen günstigen Moment abzuwarten, um dann vernichtend zurückzuschlagen. Es bildete sich im 10. Jahrhundert der Lutizenbund, dem viele Stämme wie z.B. die Zirzipanen, Kessiner, Tollenser, Redarier, Müritzer, Ukranen und auch die Obodriten angehörten. Geplant wurde der Aufstand höchstwahrscheinlich in Rethra, dem kulturellen Mittelpunkt des Bundes. Als nun im deutschen Reich um die Nachfolge Ottos II. gestritten wurde, sahen die Slawen den günstigen Moment gekommen auf den sie gewartet haben. Im Sommer 983 (29. Juni) erhoben sich slawische Verbände unter Führung der Lutizen und vertrieben die kirchlichen und politischen Vertreter des Reiches. Die Bischofssitze Havelberg und Brandenburg wurden besetzt und geplündert. Die Obodriten überfielen zeitgleich Hamburg. Auf deutscher Seite stellte man eilig ein sächsisches Heer zusammen, das die Slawen aber nur für kurze Zeit über die Elbe zurückdrängen konnte. Die slawischen Sorben im Gebiet der Lausitz beteiligten sich nicht an dem Aufstand. Die Reichsfürsten unternahmen zusammen mit den polnischen Fürsten Mieszko I. und danach mit Boleslaw I. ab 985 jährliches Kriegszüge gegen die Slawen, die aber weitgehend wirkungslos blieben. Heinrich II. erkannte später, dass man keine Chance gegen die Slawen hatte. Da er wusste, dass die Lutizen die Polen hassten und die Deutschen sich auch vor so starken Polen in Acht nehmen mussten, griff er zu einer List. Statt gegen die Polen und Slawen zu kämpfen, verbündete er sich mit den slawischen Lutizen und führte ab 1004 gemeinsame Kriege gegen das Herzogtum Polen. Die slawisch-heidnische Herrschaft konnte sich so bis ins 12. Jahrhundert halten. In Folge des Aufstandes von 983 gab es einen völligen Stillstand der deutschen Ostsiedlung für ca. 150 Jahre.

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Der Tollenserkrieg

In den Jahren 1056/57 kam es innerhalb des Lutizenbundes zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf der slawische Bund so geschwächt war, dass er sich davon nicht mehr erholte. Grund dafür waren Streitigkeiten innerhalb der vier Kernstämme. Die Redarier und Tollenser beanspruchten besondere Anerkennung und Verehrung, da das Heiligtum Rethra auf ihrem Gebiet lag. Die Kessiner und Zirzipanen aber wollten dies nicht länger hinnehmen und Untertanen sein.
Der Chronist Helmold von Bosau beschrieb die Auseinandersetzungen ausführlicher.

Er schrieb:

"In jenen Tagen erhob sich große Bewegung im östlichen Landesteile der Slawen, die miteinander im Bürgerkrieg standen. Zwischen ihnen brach ein gewaltiger Streit um Herrschaftsgewalt und Macht aus. Denn die Redarier und Tollenser beanspruchten die Führung wegen ihrer uralten Burg und jenes hochberühmten Heiligtums, in dem das Bild des Radegast gezeigt wird. Sie schrieben sich in besonderem Maße Ansehen und Ehre zu, weil sie von allen Slawenvölkern wegen der Orakelantworten und alljährlichen Opfergaben häufig besucht würden. Die Zirzipanen und Kessiner wollten aber nicht Untertanen sein und beschlossen ihre Freiheit mit den Waffen zu verteidigen. So wuchs der Aufruhr allmählich und endlich kam es zum Kriege, wobei unter heftigsten Kämpfen Redarier und Tollenser geschlagen wurden. Der Streit wurde deshalb ein zweites und drittes Mal erneuert, doch wieder erlitten dieselben von jenen eine völlige Niederlage. Hüben und drüben waren viele tausende erschlagen, die Kessiner und Zirzipanen aber blieben Sieger. Die Redarier und Tollenser, welche für ihren Ruhm stritten, riefen vom Scham über ihre Niederlage zutiefst ergriffen den großmächtigen Dänenkönig, den Herzog von Sachsen und den Fürsten der Obodriten Gottschalk einzeln mit ihren Heeren zur Hilfe und versorgten diese Riesenmenge aus eigenen Mitteln sechs Wochen lang. Da nahm der Krieg gegen Zirzipanen und Kessinern an Härte noch zu. Von solcher Übermacht bedrängt fehlten ihnen die Kräfte zu weiterem Widerstand und eine sehr große Zahl von ihnen wurde erschlagen, sehr viele in Gefangenschaft geführt. Zuletzt handelten sie den Frieden für 15.000 Mark ein. Die Fürsten teilten das Geld unter sich, vom Christentum war keine Rede."

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Slawenaufstand 1066

Im Jahre 1066 erhoben sich die slawischen Stämme der Obodriten und anschließend auch die der Lutizen, um gegen die christlichen Bemühungen des Obodritenfürsten Gottschalk im Land vorzugehen. Ursachen des Aufstandes war der Tod des Herzoges Bernhard von Sachsen, der das Reich der Slawen und Sachsen lange gelenkt hatte. Seine beiden Söhne übernahmen zwar die Macht, konnten aber nach dem Tod des Vaters keine Ruhe ins Land bringen. So wurde der christliche Obodritenfürst Gottschalk, zusammen mit vielen Geistlichen, in der Burg Lenzen an der Elbe erschlagen. Selbst bis zum Burgwall Ratzeburg, der Hammaburg in Hamburg und der Wikingerstadt Haithabu im heutigen Schleswig-Holstein drangen die aufständischen Slawen vor, verwüsteten die Orte und steinigten dort die anwesenden Mönche. Gottschalks dänische Ehefrau wurde nackt, samt den übrigen Frauen, aus dem Burgwall Mecklenburg (Dorf Mecklenburg) vertrieben. Der bereits greise Bischof Johannes wurde mit anderen Christen in der Mecklenburg gefangen genommen und zum Triumph durch slawische Burgbezirke geführt. Da er nicht vom christlichen Glaube abgebracht werden konnte, wurde er auf bestialische Weise in Rethra geopfert. Unter anderem züchtigte man ihn mit Ruten, bevor man ihm Hände und Füße abhakte. Sein Kopf wurde abgetrennt und auf einem Spieß dem Götzen der Redarier geopfert. Das geschah am 10. November 1066. Danach übernahm der Wagrierfürst Kruto das gesamte Obodritenland und vertrieb die noch jungen Söhne Gottschalks, Heinrich und Budivoj, aus dem Land. Kruto führte im gesamten Obodritenland das Heidentum wieder ein und verfolgte alle christlichen Anhänger. 1075 versuchte der vertriebene Gottschalksohn Budivoj, das Land seines Vaters zurückzugewinnen. Kruto stellte ihn allerdings in der Inselburg Plön (Schleswig-Holstein) und ließ ihn mitsamt seinem Männern nach Aufgabe der Burg töten. Erst 1090 kam der zweite Sohn Gottschalks, Heinrich, ins Obodritenland zurück und konnte durch eine List den greisen Kruto ermorden. Danach übernahm er die gesamte Macht im Obodritenland. 1093 versuchten slawische Aufständige ihn zu unterwerfen. Es kam zu der Schlacht bei Schmilau, die die Slawen verloren. Danach ging Heinrich zur Burg Altlübeck, die von da an seine Hauptresidenz war. Er wurde fortan auch Heinrich von Alt Lübeck genannt. 1100 griffen die slawischen Ranen die Burg Alt Lübeck an, ohne größere Erfolge. Der Sohn Heinrichs, Waldemar, wurde 1123 von aufständischen Ranen ermordet, woraufhin Heinrich einen Winterfeldzug nach Rügen unternahm. Die ranischen Priester kauften sich mit einer hohen Summe frei. 1126 erlaubte Heinrich, dass sein Land missioniert werden darf und stellte dafür sogar die kleine Kirche in seiner Burg Liubice (Alt-Lübeck in Schleswig-Holstein) zur Verfügung. 1127 verstarb Heinrich, andere Quellen behaupten, er sei ermordet worden.

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Wendenkreuzzug von 1147

Der sogenannte Wendenkreuzzug von 1147 war der Versuch der sächsischen, dänischen und polnischen Seite, die immer wieder einfallenden Elbslawen endgültig zu unterwerfen und ihr Gebiet in das deutsche Reich einzugliedern. Dieser Feldzug war ein Teilunternehmen des "Zweiten Kreuzzuges". Angeblich soll die Truppenstärke aus 100.000 deutschen, 100.000 dänischen und 20.000 polnischen Kreuzfahrern bestanden haben. Man sieht heute diesen Bericht aber als übertrieben an. Unter den Beteiligten waren auch Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär. Der gesamte Feldzug soll nur 3 Monate gedauert haben. Den Slawen blieb so ein großes Unternehmen gegen sie nicht unbekannt und sie ergriffen Gegenmaßnahmen. Der Obodritenfürst Niklot liess seine Burgen befestigen, errichtete sogar die Burg Dobin ganz neu, die als Zufluchtort dienen sollte. Er nahm Kontakt zu seinem verbündeten Grafen Adolf von Holstein auf und bat ihn um Unterstützung. Dieser lehne aber aus Loyalität zu den Deutschen ab. Niklot war daraufhin so im Zorn, dass er die Freundschaft kündigte. Er versprach dem Grafen aber, ihn vor slawischen Angriffen zu warnen. Im Juni 1147 startete Niklot mit seinen Mannen Überraschungsangriffe gegen Alt-Lübeck, deren Burg er jedoch nicht einnehmen konnte. Er liess aber Siedlungen in der Nähe verwüsten. Wie versprochen, informierte Niklot seinen ehemaligen Freund Graf Adolf einen Tag bevor man angriff. Nachdem auch die Erstürmung der Süseler Burg scheiterte und man vom Anrücken eines deutschen Heeres hörte, zogen sich Niklot und seine Obodriten wieder in ihr Land zurück. Als die Kreuzfahrer von dem Angriff der Slawen hörten, sollen sich sich schneller zum Aufbruch bereit gemacht haben. Heinrich der Löwe war der Führer des Kreuzzuges im nördlichen Teil des Slawenlandes. Er zog mit seinem Heer zur Burg Dobin und belagerte sie. Während der längeren Belagerung waren auch dänische Truppen auf deutscher Seite vor Ort. Laut Überlieferung sollen diese so unvorsichtig gewesen sein, dass es den Slawen gelang aus ihrer Burg kurzzeitig auszubrechen und viele von ihnen zu erschlagen. Bei folgenden Verhandlungen mit den Wenden versprachen diese sich taufen zu lassen und stellten Geiseln. Ausserdem mussten sie die Gefangenen freilassen. Als dies erreicht war, zog das Kreuzfahrerheer wieder ab. Ähnliche Ereignisse gab es auch bei der Burg Demmin. Da die Slawen den Kreuzzugsheeren weit unterlegen waren, zogen sie sich in ihre unwegsamen Fluchtburgen zurück und vermieden so offene Schlachten. Sie beriefen sich auch auf ihre Bekehrung, die der Bischof Otto von Bamberg Jahre zuvor bei ihnen durchgeführt hatte und konnten sich so vor Kämpfen retten. Die Ranen auf Rügen haben eine unvorsichtige dänische Flotte, die vor Rügen ankerte, angegriffen und in die Flucht geschlagen. Innerhalb und auch von aussen gab es viel Kritik auf der deutschen Seite bezüglich des Kreuzzuges. Man warf Heinrich dem Löwen und Albrecht dem Bär vor, dass sie den Kreuzzug nicht ernsthaft genug betrieben hätten. Sie lockerten manchmal die Belagerung von slawischen Burgen und hielten ihre Leute vor Eroberungen zurück. Ausserdem liessen sie die Slawen nach Kämpfen ungeschoren davonkommen. Die Gründe dafür lagen darin, dass sie nicht die Slawen vernichten wollten, die später doch Abgaben an sie zahlen mussten und so die deutschen Einkünfte sicherten. Überliefert ist, dass nach dem Abzug des Kreuzheeres die Slawen es noch schlimmer wie früher trieben und die Taufen nur Scheintaufen waren. Im Wesentlichen kann man aber davon ausgehen, dass sich die Slawen unterworfen haben.

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Schlacht bei Verchen am Kummerower See

1164 gelang es dem Obodritenfürsten Pribislaw die deutsch besetzte Burg Mecklenburg und andere ehemals slawische Befestigungen zurückzuerobern. Dies war ein deutlicher Angriff auf Heinrich dem Löwen, da Pribislaw versprochen hatte dies nicht zu tun. Er unternahm daraufhin einen Feldzug gegen die Slawen. Pribislaw wurde in den östlichen Bereich seiner Gebiete gedrängt und musste letztendlich auf pommersches Gebiet ausweichen. Die slawischen Ranen wollten sich wahrscheinlich Pribislaw anschliessen, jedoch verhinderte das der Dänenkönig Waldemar I. Pribislaw hielt sich dann bei den pommerschen Fürsten Bogislaw I. und Kasimir I. in Demmin auf, die ihn militärisch unterstützten. Ein Teil der Truppen Heinrichs des Löwen zog vorraus in Richtung Demmin und schlug Anfang Juli 1164 ein Lager am Kummerower See auf. Heinrich blieb mit der Hauptmacht seines Heeres zunächst in Malchow zurück. Die Gründe dafür sind unbekannt. Möglicherweise wollte man in Malchow erst genug Nahrungsmittel zusammentragen, bevor es zur Schlacht kam. Die Slawen lagerten derweil alle in der Burg Demmin und sandten Unterhändler in das Lager der Deutschen aus, um Friedensverhandlungen zu beginnen und boten dafür 3000 Mark an. Später war nur noch die Rede von 2000 Mark, was die deutschen Grafen verärgerte. Auch nachts schickten die Slawen Späher in das Lager der Deutschen, um den Zustand des Heeres zu erkunden. Im deutschen Lager befanden sich auch Oldenburger Slawen, die mit Heinrich dem Löwen verbündet waren. Dennoch waren sie hinterlistig und erzählten den slawischen Spähern alle Neuigkeiten. Die Deutschen bekamen dies mit und berichteten es ihrem Anführer im Lager. Der aber nahm dies nicht so ernst und meinte nur, dass die Slawen keine Macht mehr hätten und es daher egal wäre. Heinrich der Löwe wurde bereits dringend erwartet, weil langsam die Vorräte ausgingen. Doch war von ihm nichts zu sehen. So entschloss man sich im Lager ein paar Knappen auszusenden, die Heinrich entgegenziehen sollten, um Nahrung herbeizuschaffen. Als diese früh am Morgen ein Stück vom Lager entfernt waren, kamen ihnen auf einmal Massen von kampfbereiten Slawen entgegen. Sie liefen sofort ins Lager zurück und weckten mit lautem Geschrei das schlafende Heer. Die Deutschen konnten die erste Angriffswelle der Slawen abwehren und trieben sie in den See. Die zweite slawische Welle folgte aber sofort und die deutschen Reihen wurden überrannt. Dabei fielen die Grafen Adolf und Reinhold. Die Slawen plünderten das Lager während die Deutschen die Flucht suchten. Als die Slawen im Lager auf viele Knappen in einem Zelt stiessen und sie töten wollten, fingen diese an um Hilfe zu schreien und baten ihre Leute lautstark um Unterstützung. Die versprengten deutschen Einheiten waren von den Hilfeschreien der Eingeschlossenen so ergriffen, dass sie sofort ohne Überlegung ins Lager zurückkehrten und die Slawen vertreiben konnten. Als weitere versprengte Einheiten von dem Erfolg hörten, griffen sie wieder mit in den Kampf ein und töteten viele Slawen. Der Verlust auf slawischer Seite soll um die 2500 Mann betragen haben.
In dem Moment kam auch Heinrich der Löwe zum Lager geeilt, doch war der Kampf so gut wie vorbei. Er soll in heftigen Tränen ausgebrochen sein als er erfuhr, dass seine besten Leute gefallen waren. Die übrigen Slawen flohen nach Demmin, zündeten die Burg an und zogen sich in die pommerschen Wälder zurück. Heinrich der Löwe kam am nächsten Tag zu der ausgebrannten Burg, gab den Befehl die Festung niederzureissen, die Verwundeten zu pflegen und zog mit seinem Heer weiter nach Pommern, wo er die fliehenden Slawen weiter verfolgte. Später traf er sich mit dem dänischen König Waldemar bei Stolpe und beendete seinen Feldzug. Pribislaw, Kasimir I. und Bogislaw I. unterwarfen sich.

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Dänischer Rügenfeldzug von 1168

Im Sommer 1168 unternahm der Dänenkönig Waldemar einen Feldzug gegen die slawischen Ranen. Er sammelte ein großes Heer, dem auch Truppen der Slawenfürsten Pribislaw, Kasimir und Bogeslaw angehörten. Diese mussten Unterstützung leisten, da sie von Heinrich dem Löwen dazu aufgefordert wurden. Angeführt wurde das Heer vom Bischof Absolon von Roskilde. Man griff Rügen an mehreren Stellen an, fand aber nur Beute und kaum die Gelegenheit zum Kampf gegen die Ranen. Daher entschloss man sich, nach Norden zu ziehen und die Burg am Kap Arkona zu erobern. Die Burg war nicht so einfach zu nehmen, da sie ganz am Rand einer hohen Klippe lag. Die einzige Landseite war von einem 20 bis 25 m hohen Wall geschützt. Die Burg hatte nur ein Zugangstor mit einem hohen Turm darüber. So kam es zur wochenlangen Belagerung. Die eingeschlossenen Slawen scheinen zum Anfang die Belagerung nicht ganz ernst genommen zu haben, da sie sich unbeeindruckt von dem slawisch/dänischen Heer vor ihrer Festung zeigten. Die Dänen begannen dann damit Belagerungsmaschinen zu bauen. Einige Dänen versuchten in der Zwischenzeit immer wieder, die Festung zu erklimmen, was zuerst nicht gelang. Man reichte ihnen dann in Brand gesteckte Strohballen herauf, damit sie die oberen hölzernen Wehrmauern in Feuer setzen konnten. Als dies gelang gerieten die Slawen in Panik und begannen mit Löschversuchen. Sie verrammelten das Zugangstor, indem sie es mit Erdreich des Walles verschlossen. Der Brand wurde im Laufe der Zeit immer schlimmer, sodass die Dänen nur noch größtenteils zusahen. Die Slawen begannen dann mit Vermittlern der Dänen über ein Aussetzten des Kampfes zu verhandeln, bis das Feuer gelöscht war. Die wollten aber die Übergabe der Burg erzwingen. So gaben die Slawen nach einiger Zeit auf und die Burg wurde weitestgehend kampflos übergeben. In der Feste fand man einen Kulttempel mit einem großen vierköpfigen Götzenbild, dass den Gott Swantevit darstellte. Man befahl das Götzenbild umzuhauen und ausserhalb der Burg zu verbrennen. Gleichzeitig schickte man einen kleinen Teil des Heeres zur Burg Charenza, die wohl identisch mit dem Burgwall bei Venz auf Rügen ist. Die Burg wurde ohne Kampf den Dänen übergeben und auch die drei dort befindlichen Götzenbilder wurden verbrannt. Die Slawen unterwarfen sich den Dänen, ließen sich taufen und der gesamte Tempelschatz der Ranen wurde von den Dänen in sieben großen Kisten per Schiff nach Dänemark gebracht. Heinrich der Löwe bestand auf die Hälfte der Beute, so wie es vorher abgemacht war. Der Dänenkönig reagierte aber nicht darauf. So befahl Heinrich den Slawen die Dänen nach Lust und Laune anzugreifen, was diese sofort taten. Die Slawen führten reiche Beute und viele Gefangene aus Dänemark, wie Helmold von Bosau überlieferte. Waldemar knickte 1171 ein und übergab dem Herzog die versprochene Beute, erfüllte all seine Forderungen und sie wurden wieder Freunde. Den Slawen wurde befohlen, die Angriffe gegen Dänemark sofort einzustellen.

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